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„Corona-Gedanken“

Gerade habe ich mir im Archiv alte Blog-Einträgen durchgelesen und dachte: „Toll, was wir in den vergangenen Jahren alles erlebt und auf die Beine gestellt haben, wie viele unterschiedliche Veranstaltungen, wie viele schöne Begegnungen es gegeben hat, wie viele unserer Veranstaltungen sich fest etabliert haben.“ Schaut man sich die Zahl der Beiträge in diesem Jahr an, sieht man, dass sie im Frühjahr abrupt enden. Seitdem nichts mehr passiert?

Doch. Natürlich, coronabedingt aber anders. Noch im Frühsommer haben wir uns unseren Jahresplan vorgenommen und überlegt, welche Veranstaltungen wir unter Corona-Bedingungen durchführen können. Wir waren guter Dinge, das eine oder andere „Event“ retten zu können. Es ist leider anders gekommen. Sämtliche Termine mussten abgesagt werden. Aber verloren sind sie nicht. Wir holen sie im nächsten Jahr nach.

Die Zeit haben wir aber auch genutzt, um durchzuatmen, aber auch, um neue Ideen zu spinnen. So waren wir im März auf der Querfurter Filmburg, um eine Sonderausstellung zum Thema „Trick“ zu sehen. Die wunderschönen Silhouetten-Animationen haben uns begeistert. Wir haben viele Anregungen für unsere Lesenacht mitgenommen.

Seit September haben wir drei weitere Poensgen-Fenster. Sie leuchten in Rot, Gelb und Blau. Wir können es kaum erwarten, sie irgendwann auch gebührend zu feiern.

Dass unser Adventskonzert nicht stattfinden kann, betrübt uns. Vor allem hatten wir uns auf ein Wiedersehen mit „unserer“ Kirchenmusikerin Cosima Schreier gefreut, die unser Familienkonzert seit Jahren begleitet und durch ihre Professionalität bereichert.

Eine Tradition konnten wir jedoch „retten“. Seit dem ersten Advent hängt wieder ein Weihnachtsstern am Kirchturm. Der Stern von Bethlehem. Er weist den Weisen aus dem Morgenland den Weg an den Ort, an dem Jesu Christi geboren wurde. Sein Leuchten strömt Zuversicht aus. Die nehmen wir gern mit – ins nächste Jahr.

Klimafasten

Die Kirchen unter anderem in Brandenburg und Berlin laden zum „Klimafasten“ ein. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz schlug zum Beispiel vor, die Zimmertemperatur um ein Grad zu senken, auf Autobahnen freiwillig nicht schneller als 130 km/h zu fahren oder möglichst plastikfrei einzukaufen.

Uns gefällt die Aktion, denn wir wissen, wie wichtig der Klimaschutz auch für unsere Aue ist, die vor allem durch die Trockenheit in den vergangenen Sommern extrem gelitten hat. Auch die gewaltigen Stürme haben im Auwald viele Bäume umstürzen lassen.

Zum Schutz der Aue gehört auch, dass Müll und Schutt nicht illegal im Wald entsorgt werden oder in riesigen Mengen Bärlauch geerntet wird. Wir hoffen sehr, dass möglichst viele Menschen dafür ein Verständnis entwickeln und ihr Handeln kritisch überdenken.

Das gilt nicht nur für die Fastenzeit bis zum Ostersonntag, sondern für das ganze Jahr.

Unsere Termine 2020

Im Januar haben wir unsere Termine für 2020 festgeklopft. Nun stehen sie auch online! Wir laden alle ein, mal vorbeizuschauen und sich den einen oder anderen Termin vorzumerken.

Viel Vertrautes ist dabei – so das Konzert mit Tino Standhaft und Norman Daßler im Mai, das Orgelspektakel für Kinder im Juli oder unsere Lesenacht – diesmal allerdings im September. Wir sind aber auch stolz, ein paar neue Ideen auf den Weg gebracht zu haben. Dazu gehört eine Veranstaltung mit Dr. Dirk Höhne vom Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege. Mit ihm gemeinsam wollen wir unsere Horburger Kirche (neu) entdecken.

Wie jedes Jahr kommt sicher die eine oder andere Veranstaltung hinzu, denn manchmal entwickeln sich spontan Ideen, die wir dann kurzfristig in die Tat umsetzen. Wenn Sie selbst Vorschläge für eine Veranstaltung in unserer Kirche haben – dann her damit.

Wir vom Freundeskreis Horburger Madonna freuen uns auf ein Jahr mit hoffentlich vielen neuen (und alten) Begegnungen in unserer Dorfkirche.

Fachtagung in Dessau

Am kommenden Samstag, am 16.11.2019, 10 Uhr, lädt der Verband der Kirchbau- und Fördervereine VDKSA in die Kirche St. Georg nach Dessau ein. Unter dem Titel „Alles was Recht ist. Kirchbau- und Fördervereine zwischen Sicherheit und Risiko“ werden Fragen erörtert, wie die Arbeit der Freiwilligen in den Vereinen sicherer und professioneller gemacht werden kann.

Grüße nach Halle und Leipzig

Kaum zählbar sind die Kirchenführungen über das Jahr durch die Horburger Marienkirche. Manche kommen spontan zustande, so wie heute morgen beim Aufschließen der Kirche, die ja eine Offene Kirche ist. Zwei holländische Pilger warteten nach ihrem Frühstück in der Horburger Samariterherberge schon darauf, die Horburger Madonna sehen zu können.

Wir freuen uns auch jedes Mal, wenn Kirchgemeinden hierher zu Besuch kommen. Gestern durften wir eine Gruppe aus der Hallenser Evangelischen Paulusgemeinde begrüßen. Für uns ist nicht mehr überraschend, dass das Erleben der Horburger Marienkirche für viele Besucher – gerade auch die, die eher aus der Nähe kommen – überraschend ist. Oftmals heißt es dann: „Dass wir davon keine Ahnung hatten, dass wir nicht schon längst einmal hier waren…“

In der kommenden Woche werden die unlängst fusionierten katholischen Kirchgemeinden aus dem Leipziger Norden ihre gemeinschaftsfördernde Pilgertour durch die Aue von Wahren nach Horburg antreten. Auch an diesem Tage wird es eine Kirchenführung, eine Kaffeetafel und selbstverständlich eine Andacht geben. Wir sagen jetzt schon Buen Camino.

Architektur des Lichts. Poensgen in Horburg.

Fünf Texttafeln zur Ausstellung „Architektur des Lichts. Poensgen in Horburg.“ anlässlich des Tages des Offenen Denkmals 2019 berichten über die künstlerische Idee, die künstlerische Handschrift und den Entstehungsprozess der Horburger Fenster. Erstmalig werden die künstlerischen Entwürfe für sämtliche Fenster der Marienkirche der Öffentlichkeit präsentiert.

In stündlichen Führungen wird anhand unterschiedlichster Materialien, „Fensterelemente“ und Arbeitsproben außerdem Einblick gegeben in den Schaffensprozess in der Glaswerkstatt Schneemelcher in Quedlinburg. Deren Meisterschaft sichert Hand in Hand mit dem Künster sakrale Glaskunst von hohem Rang.

I HORBURGER MADONNA UND DAS NEUE KLEID AUS LICHT

Die Horburger Madonna macht die kleine Pilgerkirche in der Aue zu einem Mekka der Kunstfreunde. Die Skulptur des Naumburger Meisters aus der Zeit um 1250 verbindet Horburg mit den Domen von Naumburg, Meißen und Merseburg. Seine Bildwerke zählen zu den bedeutendsten Kunstwerken des europäischen Mittelalters.

Ein solches Meisterwerk der Gotik stand als Weinende Madonna von Horburg Jahrhunderte lang im Zentrum einer florierenden Wallfahrt.

Die spätere Geschichte der Horburger Madonna ist bewegt. Sie erlebte Reformation, Bildersturm, Verschwinden, Vergessen, Wiederentdeckung und erneutes Vergessen. Seit einigen Jahren wächst kontinuierlich das Interesse von Kunstfreunden, von Pilgern und von Menschen, die eigens zum Gebet hierher kommen.

Die Madonna ist angekommen in der Gegenwart. Sie ist unser aller Kulturerbe. Mit bürgerschaftlichem Engagement und in Partnerschaft mit der Kirchgemeinde wird es für den Kunstschatz in der Dorfkirche auch eine Zukunft geben.

Folgerichtig wird die Horburger Marienkirche mit architekturbezogener Glasmalerei von hohem künstlerischen Rang einen Fingerabdruck unserer Zeit erhalten. Wir stellen erstmals die Entwürfe sämtlicher Kirchenfenster von Jochem Poensgen vor. Seine Madonnenfenster verbinden Horburg mit Kirchen und Kathedralen in ganz Europa und den USA.

II KIRCHENFENSTER UND RAUMBILD

Die Ausdruckskraft des gotischen Meisterwerkes von Horburg verlangt nach einem Kontrapunkt im ikonographischen Bildprogramm. Der wird mit den zukünftigen Kirchenfenstern gesetzt sein. Architektur, Licht und Kunst werden zu einer neuen Einheit und spirituellen Qualität verschmelzen.

Seit jeher prägen Kirchenfenster das Raumbild, die Atmosphäre und den liturgischen Charakter einer Kirche. Bestechend wirken die farbstarken Monumentalfenster in gotischen Kathedralen oder auch die modernen expressiven Glasmalereien eines Neo Rauch, Tony Cragg oder Günter Grohs in Kirchen unserer Region.

Die künstlerische Handschrift von Jochem Poensgen – er gehört in den Kreis der namhaftesten Glasmaler unserer Zeit – tritt in einen diskreten Dialog mit dem Werk des Naumburger Meisters. Seine Gestaltung konkurriert nicht. Sie stiehlt nichts von der Größe, Erhabenheit und Schönheit des gotischen Meisterwerks. Behutsam und dennoch ausdrucksstark kleidet Poensgen die Madonna in ein Kleid aus Sonne und schlägt damit den bildhaften Bogen zur Offenbarung des Johannes.

Seine Glaskunst verschmilzt organisch mit Architektur, Raumausdruck und Kunstausstattung der Kirche.

III DIE KÜNSTLERISCHE HANDSCHRIFT

Neben den kleinen gotischen Fensterformaten stehen die großen Fensterdurchbrüche des ausgehenden 19. Jahrhundert. Die inzwischen verschlissenen Fenster wurden nach 1930 installiert.

Die ersten beiden Fenster, die mittlerweile die Horburger Madonna am neuen Standort rahmen, zeigen  das künstlerische Kompositionsprinzip für die Gesamtausstattung. Der Stil Jochem Poensgens wirkt mathematisch, seriell, abstrakt, graphisch und computeraffin. Eine gedankliche Verbindung zu Moholy Nagy stellt sich ein. Poensgen gilt manchen als asketisch und kühl. Mit seinen Arbeiten darf der „coole Poensgen“ der klassischen Moderne zugerechnet werden. Seine Ausbildung in Wuppertal, die Jahre in Düsseldorf, aber mehr noch seine Wahlverwandtschaft zur französischen Kunst der Gegenwart haben Jahrzehnte lang seine künstlerische Haltung geformt.

Nicht Form, Figur und Farbe sind Kern seiner künstlerischen Auffassung, sondern die Modulation des Lichts durch Sonnenstand, Schattenspiel, Vegetation, Witterung und Jahreszeit. Die Außenseite der Fenster wird sorgfältig mit einer eigenen Ästhetik gestaltet.

Farbe scheint in der Gestaltung Poensgens beinahe nebensächlich. Er verlässt den Pfad der Glasmalerei und stellt seine Gestaltung in den Dienst der Architektur und des Raumes. Das ist auch eindrucksvoll in der Klosterkirche von Jerichow zu erleben.

IV KOMPOSITION DER SAAL- UND CHORFENSTER

Seinen künstlerischen Entwurf entwickelt Poensgen stets aus einem komplett durchkomponierten Grundelement heraus. Es zeigt bereits alle Merkmale von Geometrie, Material und Farbfassung, die im endgültigen Fenster durch Variationen ihre Vollendung finden.

Das Grundelement und die Entwurfszeichnungen werden ergänzt durch die sog. Bemusterung und die Fertigung eines Probefensters in Gemeinschaft von Künstler und ausführender Werkstatt. Dazu gehören die Auswahl der Gläser, der Farben und des Bleis. Ein schriftlicher Ausführungskommentar enthält sämtliche Gestaltungsdetails und Arbeitsanweisungen, die für die spätere Fensterfertigung notwendig sind. Auf Basis von Bemusterung, Probefenster und Kommentierung wird die Fertigung Gläser beauftragt. Der Werkstattmeister interpretiert den Entwurf im Beisein des Künstlers auf dem Leuchttisch. Durch Farbaufträge in Silbergelb und das Einbrennen bei 630 Grad Celsius entsteht die erwünschte Intensität und Leuchtkraft der Gläser.

Der Variationsreichtum entsteht durch die behutsame Modulation der Geometrie, des Farbspektrums von orangegelb und gelb, über Grau- und Weißtöne sowie die Kombination von Klar- und Mattgläsern. Weitere Elemente der Gestaltung sind das sorgfältig ausgearbeitete Bleinetz als „grafisches“ Element sowie die Plastizität, Nuancierung, Tiefe und Blasierung des Glases.

Gearbeitet wird mit mundgeblasenen Echtantikopalgläsern aus der Glashütte Lamberts in Waldsassen.

Erst die exzellente künstlerische und handwerkliche Partnerschaft mit der namhaften Glaswerkstatt Schneemelcher in Quedlinburg gibt der künstlerischen Idee ihre endgültige Gestalt als Kirchenfenster.

V HORBURGER GLASMALEREI – VARIATIONEN

Den künstlerischen Höhepunkt bilden die beiden Fenster links und rechts der Horburger Madonna. Ihre beeindruckende Wirkung beziehen sie aus den Formen und Farben der sog. Wolkenscheiben, aus dem durchkomponierten Bleinetz und der seriellen Wiederholung des Grundelements. Die Sonne lässt im Umfeld pointillistische Teppiche von blassgelb, grünlich bis zu tief leuchtendem Orangerot entstehen.

Eine Betonung erhalten auch die zukünftigen Chorfenster, indem die Geometrie der Glaselemente in den Maßen des definierten Rasters verändert wird. Die Farbwolken werden blasser, treten jedoch durch ihre abgewandelte Positionierung und die rechteckigen Raster auf der Fläche hervor.

Je weiter entfernt die Fenster von der Madonna positioniert sind, um so „lichter“ und in der Wirkung zurückgenommener werden in feinen Abstufungen die klaren, weißen und grauen Fensterelemente. Somit entsteht ein Crescendo des künstlerischen Ausdrucks von der Nordwand über den Chor bis hin zur Madonna.

Ein Solitär werden die drei Fenster für den zukünftigen Raum der Stille in der Turmkapelle sein. Die Glasmalerei in beeindruckender Farbtiefe von gelb, rot und blau wird einmal eine einzigartige spirituelle Kraft entfalten. Eine künstlerische Kopie dieser Fenster ist mittlerweile auf Kunstausstellungen im In- und Ausland gezeigt worden und schließlich in die Dauerausstellung des Deutschen Glasmuseums in Linnich eingegangen.

Helfen Sie mit Ihrer Spende, das Gesamtprojekt Poensgens Madonnenfenster für Horburg wahr werden zu lassen. Ihr Name könnte in einem der kleinen grauweißen Glaselemente verewigt werden.